Feel Festival 2021 Absage

Liebe Feel Freund:innen,  

 

Nach über einem Jahr, in dem Anträge geschrieben, abgelehnt und wieder neu aufgesetzt wurden, sind wir müde. Wir sind resigniert, aber auch wütend und verständnislos.  

Wir haben stets alles getan, was in unserer Macht stand, um gemeinsam mit euch unter Einhaltung unseres Hygienekonzeptes wieder am Bergheider See feiern zu können. Sind auf das Feedback der Behörden eingegangen, haben unsere Konzepte anhand der Richtlinien ausgefeilt, uns eingeschränkt, zurückgesteckt, gewartet.

Doch wenn all das auch nichts bringt und die Politik keinen Schritt auf uns zugehen kann/will, bis auf uns finanzielle Kompensationen, statt Möglichkeiten zur Durchführbarkeit zu bieten, bleibt auch uns nichts weiter übrig, als an diesem Punkt nun die Reißleine zu ziehen.
Auch im Hinblick auf die emotionale und körperliche Gesundheit aller Beteiligten, können wir es nicht weiter verantworten, bis zum Ende trotz all der Unsicherheiten durchzuproduzieren, nur um dann zu hoffen, dass es dann nicht alles umsonst gewesen ist. 

Wie gerne hätten wir hinter das diesjährige Festivalmotto “restart possible?!” einfach nur ein Ausrufezeichen gesetzt.
Stattdessen haben wir nun die traurige Gewissheit, dass ein Neuanfang für uns in diesem Jahr nicht möglich sein wird und wir hiermit schweren Herzens verkünden müssen, dass wir das Feel Festival 2021 absagen müssen.  

 

Wir waren bis zum Schluss im Austausch mit den zuständigen Ämtern. Jedoch konnten sie uns trotz der aktuell extrem niedrigen Inzidenzen, der steigenden Impfquoten und den fortschreitenden Öffnungsstrategien lediglich anbieten, dass wir im September mehrere kleine Events mit jeweils 1000 Besuchenden veranstalten dürfen.
Das ist für uns aber keine Option, da wir es unfair finden, so viele von euch auszuschließen, die schon seit mehr als zwei Jahren darauf warten endlich die nächste Feel Edition erleben zu können. Wir wollten das auch nicht mit einer Lotterie lösen, die nur einen Bruchteil von uns glücklich macht.
Darüber hinaus müssen wir für jede einzelne Edition individuelle Genehmigungen und Vereinbarungen mit den unterschiedlichen Eigentümern, wie Gemeinde und F60 einholen.
In dem Szenario mit mehreren kleineren Veranstaltungen wären wir startend ab September auch zu weit in den Winter hineingekommen, sodass ein Festival mit Camping und frösteligen Bodentemperaturen nicht das Erlebnis ist, auf das wir nun schon so lange hingefiebert haben.  

Auch auf unsere Konzepte von zwei gesplitteten Veranstaltungen im Juli konnten die Behörden aufgrund der Bundesnotbremse nicht weiter eingehen – obwohl diese Veranstaltungen mit unseren akribisch ausgearbeiteten Sicherheits- und Hygienekonzepten gut und sicher hätten durchgeführt werden können und uns in diesem Pandemiesommer, wenn auch nur für ein paar Tage unter abgesicherten Bedingungen, noch einmal eine Leichtigkeit mitgegeben hätten. 

 

Und nach all den Monaten voller Kompromisse, Abwartehaltungen, Verständnis, Rücksichtnahme, Hoffen und und und sind wir einfach leer, ratlos und wüssten nicht, was wir hätten besser machen sollen.

Wir brauchen eine Politik, die transparent kommuniziert, an unserer Seite ist und Verständnis für die Situationen von Kulturschaffenden hat. Die nicht eine komplette Branche über Monate hinweg so sehr hängen lässt – ihr die Relevanz abspricht und sich selbst überlässt.

Wir brauchen endlich wieder Perspektiven. Perspektiven, die über die Zuschauer:innenzahlen bei EM-Spielen hinaus gehen. Perspektiven, die dem zwischenmenschlichen Austausch auf (sub)kulturellen Veranstaltungen endlich den Stellenwert beimessen, den er für unsere Gesellschaft hat.
Perspektiven, die endlich nicht nur einen Horizont eröffnen, sondern ihn auch erweitern. 

 

So resigniert wir an dieser Stelle auch sein mögen, wollen wir natürlich nicht vergessen, dass wir den gesamten Weg bis zu diesem Punkt nicht ohne euch durchgehalten hätten. Wir danken euch so sehr für euer Verständnis, den emotionalen und finanziellen Support der letzten Monate und dass ihr uns stets signalisiert habt, dass ihr all diese Herausforderungen mit uns gemeinsam angehen wollt. Eure motivierenden Nachrichten und Kommentare haben uns immer den nötigen Antrieb gegegeben, um auch in diesen unsicheren Zeiten Zuversicht zu verspüren.
Und natürlich an dieser Stelle auch ein riesiges shout out an all unsere Künstler:innen, Crews, Kollektive und Dienstleistenden, die diese komplette Berg- und Talfahrt mit Absagen, Verschiebungen, Aufsplittungen und wieder Absagen immer mitgemacht haben und nie die Motivation verloren haben, gemeinsam mit uns eine nächste Feel Edition auf die Beine zu stellen.
 

Wir haben bis zum letzten Point of No-Return gekämpft und sind jetzt einfach erschöpft und alternativlos. 

Wir hoffen auf euer Verständnis in dieser Situation, aber können natürlich auch verstehen, wenn ihr ebenso wie wir einfach nur sehr enttäuscht und wütend seid.  

Die Welt ist nach wie vor in einem Ausnahmezustand und die Gesundheit aller ist noch lange nicht ganz gesichert. Bis wir diesen Zustand nicht erreicht haben, wird die Politik sich nicht dazu durchringen, Großveranstaltungen unserer Branche möglich zu machen. Wir können nichts weiter tun, als die Zeit erneut verstreichen zu lassen und zu hoffen, dass wir uns im nächsten Sommer endlich wieder auf dem Feel lachend und tanzend in die Arme fallen können. 

 

Natürlich gilt für alle bereits getätigten Zahlungen nun wieder Rückabwicklungsspaß. Bitte beantragt dazu spätestens bis zum 30. September eure Rückerstattung.
Dafür könnt ihr dieses Tool nutzen, das den meisten von euch noch schmerzhaft vertraut aus dem letzten Jahr sein dürfte:  

 

RÜCKERSTATTUNG – HIER KLICKEN
  

Da uns selbstverständlich bewusst ist, dass diese Zeiten für viele von euch aus finanzieller Sicht auch nicht einfach sind, haben wir uns gemeinsam mit dem Ticketingdienstleister dazu entschieden, euch den kompletten Betrag, inklusive Service- und Systemgebühren zurückzuerstatten und diesen, nicht wie in unseren AGB erwähnt, einzubehalten.
Dies ist kein üblicher Modus, da die administrativen Kosten, durch die Erstellung des Ticketshops und das Handling all der nachgelagerten Schritte ja bereits entstanden sind und auch mit zusätzlichem Personalaufwand weiterhin entstehen werden – wir wollen diese Kosten jedoch dennoch selbst abfedern, weil wir es einfach für die fairste Lösung halten.  

All diejenigen unter euch, die bisher nur eine Ticketreservierung fürs Feel 2021 hatten und noch nichts bezahlt haben, müssen nichts weiter beachten.

Weder die bereits gezahlten Tickets noch die Ticketreservierungen werden auf ein mögliches Feel Festival 2022 übertragen.  

 

Nach all diesen ermüdenden Wochen, die das ständige Hoffen und Reagieren mit sich gebracht haben, sind wir jetzt einfach erschöpft und wollen die kommenden Monate nutzen, um neue Energie und Inspiration für eine zukünftige Festivalsaison sammeln, die hoffentlich schon wieder etwas näher an dem dran ist, was wir mal als “Normalität” bezeichnet haben.  

Bis dahin bleibt uns nur noch auch weiterhin die gesellschaftlichen Wandlungen mitzugestalten, laut zu sein, wo immer wir es sein müssen und dort zu schweigen, wo es angebracht ist.  

Lasst uns nicht vergessen, dass wir gemeinsam schon so viel durchgestanden haben und auch die kommenden Hürden zusammen meistern werden. Wir als Gesellschaft, wir als Feel Familie. 

 

Liebste Grüße vom See <3