Rückblick Feel Festival 2019

Nun sind wirklich die letzten Klänge eines fulminanten siebten Feel Festivals ausgelaufen und wir kommen ganz langsam in die Realität zurück. Wir sind mehr als berührt davon, dass wir es wieder einmal alle gemeinsam geschafft haben, für fünf Tage einen utopischen Raum Wirklichkeit werden zu lassen, der jede*n einzelne*n ergriffen und mitgerissen hat. Einen Raum, der ernsthafte Hoffnung für eine solidarische Zukunft von morgen gibt.
Doch bei all der riesigen Freude, Dankbarkeit und Euphorie möchten wir an dieser Stelle etwas anmerken und kommentieren, das uns insbesondere im Hinblick auf aktuelle gesellschaftspolitische Entwicklungen und Ereignisse im Kontext anderer alternativer Festivals der Bundesrepublik unwohl aufstößt und besorgt.
Wie die meisten von euch wahrscheinlich bereits mitbekommen haben, hatten wir in diesem Jahr mit einem äußerst unverhältnismäßig hohem Aufkommen an Polizeikontrollen rund um den Bergheider See zu Beginn, während und am Ende des Festivals zu kämpfen. Ganz konkret handelte es sich dabei um einen fünftägigen Großeinsatz der örtlichen Polizei in Zusammenarbeit mit der Bereitschaftspolizei des Landes Brandenburg, der Bundespolizei und dem ZOLL rund um das Feel Festival Gelände. Ein Umstand, über den wir im Vorfeld nicht in Kenntnis gesetzt wurden.
Da wir bis dato immer eine sehr gute Kommunikation mit den Behörden pflegten, hat uns das umso mehr überrascht.

Eingangs möchten wir hier ausdrücklich festhalten, dass wir vollstes Verständnis für die Notwendigkeit von Polizeikontrollen im Zusammenhang mit unserem Festival haben, um die Verkehrssicherheit und die Sicherheit aller gewährleisten zu können.
Uns geht es hier explizit um die Unverhältnismäßigkeit im Vorgehen der örtlichen Polizei.
Bei der Anreise am Donnerstag und Freitag zog die Polizei den Großteil der Personen, die mit dem Auto oder Bus anreiste, zur Kontrolle aus dem Verkehr. Wir empfinden es als Veranstalter*innen respektlos und unverschämt, unsere Gäste per se unter den Generalverdacht zu stellen, das Gesetz zu verletzen.
Doch dabei bleibt es nicht. Die völlig unerwartet übermäßigen Polizeikontrollen, wie wir sie am vergangenen Wochenende erlebten, hatten einen eklatanten Effekt auf die Durchführung des Festivals. Unser komplettes Verkehrskonzept wurde sowohl bei der An- und Abreise aus den Angeln gehoben, es kam zu Stillstand, verstopften Straßen und stundenlangen Verzögerungen. Wäre das Ausmaß der Polizeikontrollen im Vorfeld an uns kommuniziert worden, hätten wir zumindest konzeptionell darauf reagieren können, um Sicherheit zu gewährleisten.
Zudem denken wir, dass das Rausziehen unserer Festivalbesucher*innen direkt von den Festivalparkplätzen alles andere als fair und logistisch clever ist.
Des Weiteren haben die unverhältnismäßigen Verkehrskontrollen dazu geführt, dass fast die Hälfte der Künstler*innen unseres Programms viel zu spät das Festivalgelände erreichten. Das führte zu enormen Anstrengungen, einen reibungslosen Ablauf an unseren Bühnen und im Zeitplan zu gewährleisten.
All das verursachte beträchtliche Mehrkosten in der Durchführung des Festivals, die so nicht in unserer Finanzplanung vorgesehen werden konnten und uns nun auch langfristig belasten.
Und zu guter letzt, möchten wir das, was die Polizei als erfolgreichen Einsatz deklariert, noch einmal ganz sachlich in Relation setzen.
Es wurden über 3900 Autos für Kontrollen aus dem Verkehr gezogen, die Mehrheit jener, die mit dem Auto oder Bus an- und abreisten. Darunter wurden 56 Fahrer*innen festgestellt, die unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln am Steuer saßen. Wir sprechen hier also von einer „Erfolgsquote“ von 1,43%.
Wir würden es begrüßen, wenn im nächsten Jahr wieder Stichprobenartige Verkehrskontrollen im Sinne der Verkehrssicherheit durchgeführt werden.
Auf dem Gelände meldeten uns unsere Sanitäter*innen in diesem Jahr über das ganze Festival 12 Vorfälle im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln, 5% aller insgesamt aufgenommenen Fälle. Das macht 0,06% Prozent auf die die Gesamtzahl der Feel Festival Besucher*innen. Im übrigen ist das dasselbe Verhältnis wie im letzten Jahr — somit ist hier auch nicht von einer Verschlimmerung der Lage zu sprechen.

Wir möchten mit dieser Darlegung hier alle Beteiligten sensibilisieren und verhindern, dass diese Angelegenheit einfach so passiert und nicht diskutiert wird. Ebenso entschuldigen wir uns wir uns bei allen Gästen und Künstler*innen, die eine akut erschwerte An- und/oder Abreise hatten und hoffen in den kommenden Jahren auf eine bessere Kommunikation und Austausch mit der örtlichen Polizei.

Wir sind der Überzeugung, dass es unglaublich wichtig und ein richtiges Zeichen wäre, wenn die Polizei endlich mit derselben Vehemenz und Entschlossenheit z.B. gegen die Ausübenden rechter Gewalt oder von Hass und Hetze im Internet und vieler anderer Verstößen gegen die Grundsätze der Menschenrechte und der Demokratie vorgehen und in solch einem Ausmaß analysieren sowie auseinandernehmen würde.

In diesem Sinne stay safe and aware! Euer Feel Festival